Die Benutzeroberflächen GNOME und KDE bieten Ihnen vielseitige
Dateimanager für die tägliche Arbeit mit Ihren Dateien. Mit
diesen leistungsfähigen Anwendungen können Sie Dateien und
Verzeichnisse erstellen, bearbeiten und löschen sowie weitere
Verwaltungsaufgaben im System ausführen.
Beide Dateimanager unterstützen Drag and Drop (Ziehen und Ablegen)
und ermöglichen Ihnen einen schnellen und gründlichen
Überblick über die Verzeichnisse und Dateien, die sich auf
Ihrer Festplatte befinden. Standardmäßig zeigen die beiden
Dateimanager beim Starten jeweils das Anmeldeverzeichnis an. Wenn Sie
andere Verzeichnisse in Ihrem System öffnen möchten, klicken
Sie in der Baumansicht links im Dateimanager auf
das Ordnersymbol für dieses Verzeichnis. Der Inhalt des Ordners wird
dann im Verzeichnisfenster in der rechten
Hälfte des Dateimanagers angezeigt.
Verfügen Sie über die erforderlichen Berechtigungen?
Nur als Root können Sie auf alle Verzeichnisse und Dateien in
Ihrem System zugreifen. Wenn Sie nicht über die Berechtigung zum
Öffnen, Löschen oder Ausführen einer Datei
verfügen, wird beim Zugriff auf diese eine Fehlermeldung auf dem
Bildschirm angezeigt.
In diesem Kapitel erhalten Sie einen Überblick über
GMC und KFM, die
Dateimanager für GNOME und KDE. Weitere Informationen über die
Verwendung dieser Tools erhalten Sie über die Hilfe-Browser der
beiden Benutzeroberflächen im GNOME
Benutzerhandbuch oder der Dokumentation zu KDE. Die
aktuellste Fassung der jeweiligen Dokumentation ist auf den Websites zu
beiden Desktop-Umgebungen verfügbar:
http://www.gnome.org und
http://www.kde.org.
Der GNOME Dateimanager ist schnell,
benutzerfreundlich und flexibel und ermöglicht Ihnen das
problemlose Arbeiten mit Dateien und Verzeichnissen. Die
vollständige Bezeichnung des Dateimanagers lautet
GNU Midnight
Commander (kurz
GMC) und weist darauf
hin, dass der Dateimanager Midnight
Commander die Grundlage für die Entwicklung dieses
Dienstprogramms bildete.
Sie können auch weiterhin
Midnight Commander verwenden
Wenn Sie auch künftig Midnight
Commander als Dateimanager verwenden möchten,
müssen Sie hierzu lediglich ein XTerm öffnen und dann am
Prompt mc eingeben.
Für das Starten von GMC stehen Ihnen
zwei Möglichkeiten zur Verfügung:
Über den Hauptmenü-Button - Klicken
Sie auf die Menüoption
Dateimanager.
Über den Desktop - Doppelklicken Sie auf den Ordner mit der
Bezeichnung Heimatverzeichnis, der wie
folgt aussieht:
Beim ersten Starten von GMC sieht das
Hauptfenster wie in Abbildung 10-1 aus.
Abbildung 10-1 Beispiel für ein
GMC-Fenster
Wenn Sie zuvor noch nicht mit Ihrem System gearbeitet haben, werden
beim ersten Öffnen des Dateimanagers sicherlich nur relativ
wenige neue Dateien oder Verzeichnisse angezeigt. Der Grund
hierfür besteht darin, dass GMC beim
Starten standardmäßig Ihr Anmeldeverzeichnis anzeigt.
Ihnen wird sicher die Datei .signature in
Abbildung 10-1 auffallen. Dabei handelt
es sich um die Unterschriftsdatei, die vom Benutzer neuerbenutzer
beim Konfigurieren von Netscape Messenger
angelegt wurde.
In der Baumansicht auf der linken Seite werden alle Verzeichnisse in
Ihrem System angezeigt. Klicken Sie einmal mit der Maus auf einen
Ordner, um dessen Inhalt im Verzeichnisfenster auf der rechten Seite
anzuzeigen. Wenn ein Ordner mit dem Zeichen +
angezeigt wird, weist dies darauf hin, dass dieser Ordner weitere
Unterverzeichnisse enthält, die in der komprimierten Ansicht
nicht angezeigt werden. Wenn Sie diese Unterverzeichnisse ebenfalls
in der erweiterten Ansicht anzeigen möchten, müssen Sie
lediglich auf das + klicken.
Mit den folgenden Symbolen in der Symbolleiste über dem Feld
Ort können Sie festlegen, wie detailliert
die Ansicht sein soll:
Icons - Die standardmäßige
Ansicht, bei der die Dateien und Verzeichnisse jeweils durch
unterschiedliche Symbole dargestellt werden.
Kompakt - Die Verzeichnisse und Dateien
werden in Listenform angezeigt, wobei am Anfang der Liste die
Verzeichnisse stehen.
Detailliert - Zeigt eine Liste mit
Detailangaben wie Dateigröße und Zeitpunkt der
letzten Bearbeitung für jede Datei an.
Individuell - Zeigt eine Liste an, bei der
Sie selbst festlegen können, welche Informationen angezeigt
werden sollen. Die entsprechenden Einstellungen nehmen Sie
über das Menü Einstellungen unter
Einstellungen =>
Individuelle Ansicht vor.
Ändern der Reihenfolge
Wenn Sie den Inhalt von Verzeichnissen in einer der
Listendarstellungen anzeigen, können Sie die Reihenfolge der
Dateien durch Klicken auf einen der Spaltenköpfe festlegen.
Wenn Sie den Verzeichnisinhalt beispielsweise alphabetisch anzeigen
möchten, klicken Sie hierzu einfach auf den Spaltenkopf
Name.
Wie bei vielen Dateimanagern können Sie durch Verwendung der
Bildlaufleisten neben der Baumansicht das gewünschte
Verzeichnis auf dem Bildschirm anzeigen.
Als Alternative können Sie hierzu auch die Buttons in der
Navigationsleiste über dem Feld Ort
verwenden, die Ihnen ähnliche Funktionen wie die
Navigationsbuttons von Netscape
Navigator zur Verfügung stellen.
Zurück und
Vorwärts
- Damit können Sie sich in der Verzeichnislistinghistorie
aufwärts und abwärts bewegen.
Aufwärts - Wechselt in das
jeweils darüberliegende Verzeichnis.
Neu einlesen - Aktualisiert die
Ansicht für das momentan angezeigte Verzeichnis.
Heimat - Springt in Ihr
Standardverzeichnis zurück.
Im Feld Ort können Sie das
gewünschte Verzeichnis direkt angeben. Wenn Sie wissen, in
welches Verzeichnis Sie wechseln möchten, z.B.
/etc/X11, geben Sie den Pfad zum Verzeichnis
in das Feld Ort ein und drücken die
Eingabetaste , um zu diesem Verzeichnis zu
gelangen.
Sie können mit dem Feld Ort mehr als nur
die Verzeichnisse in Ihrem lokalen System anzeigen. Wenn Sie online
sind und die Adresse einer FTP-Site eingeben, beispielsweise
ftp.redhat.com, können Sie die auf dieser
Site verfügbaren Dateien anzeigen und herunterladen. Der
FTP-Befehl sollte so aussehen:
ftp://ftp.redhat.com. Zum Herunterladen kopieren
Sie einfach eine Datei in ein Verzeichnis auf Ihrem Computer.
GMC harmoniert bestens mit
Gnome-RPM
Wenn Sie RPM-Pakete heruntergeladen haben, können Sie diese
mit GMC bearbeiten und dabei die
verschiedenen RPM-Funktionen nutzen.
Selbstverständlich stehen Ihnen diese Funktionen auch
für Dateien auf einer CD-ROM zur Verfügung. Klicken Sie
einfach mit der rechten Maustaste auf das Paket.
GMC bietet daraufhin Optionen zum
Installieren, Verifizieren, Abfragen usw. an. (Zum Installieren
oder Deinstallieren von Software müssen Sie als Root
angemeldet sein.) Sie können für das Installieren von
Paketen diese auch einfach aus dem Dateimanager in
Gnome-RPM ziehen und dort ablegen
(weitere Informationen hierzu finden Sie in
Abschnitt namens Installieren neuer Pakete in Kapitel 12).
Wenn Sie mehr über Gnome-RPM und
RPM erfahren möchten, können
Sie in Kapitel 12 weiterlesen.
Sie können Dateien aus dem Verzeichnisfenster auf Ihren
Desktop oder in einen anderen Ordner kopieren oder verschieben (die
Begriffe Ordner und Verzeichnis werden als Synonyme gebraucht).
Wenn Sie eine Datei auf Ihren Desktop verschieben möchten,
markieren Sie die Datei mit der Maus und verschieben sie dann bei
gedrückter Maustaste auf den Desktop. Lassen Sie dort die
Maustaste los, um die Datei abzulegen. Durch diese Aktion wird die
Datei auf den Desktop verschoben.
Wenn Sie die Datei kopieren wollen, statt sie zu verschieben,
klicken Sie auf die Datei und ziehen Sie sie bei gedrückter
Umschalttaste .
Entscheiden Sie sich erst am Bestimmungsort
Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie eine Datei verschieben oder
kopieren möchten? Verwenden Sie in diesem Fall einfach die
Alt-Taste beim Ziehen der Datei. Sobald Sie
die Datei ablegen, können Sie in einem Kontextmenü
auswählen, ob Sie die Datei kopieren oder verschieben
möchten. Sie können auch eine
Verknüpfung mit der Datei
erstellen, also einen Link mit der eigentlichen Datei, die an
ihrem ursprünglichen Ort bleibt.
Abbildung 10-2 Dialogfeld zum Kopieren von Dateien
Wenn Sie den Pfad zum Zielverzeichnis für das Kopieren der
Datei bereits kennen, können Sie mit der rechten Maustaste auf
die Datei klicken und im daraufhin angezeigten Kontextmenü die
Option Kopieren wählen. Im Dialogfeld zum
Kopieren geben Sie dann die Pfadangabe für das Verzeichnis
ein, in das die Datei kopiert werden soll (wie in
Abbildung 10-2).
Im Register Erweiterte Optionen des
Dialogfelds Kopieren können Sie das
Kontrollkästchen Symlinks erhalten
aktivieren, um sicherzustellen, dass beim Kopieren von
symbolischen Verknüpfungen (oder Links)
diese Verknüpfungen auch nach dem Kopieren erhalten bleiben.
Um zu vermeiden, dass nach dem Kopieren oder Verschieben von
Verknüpfungen mit anderen Dateien diese Verknüpfungen
nicht mehr funktionieren, sollten Sie dieses Kontrollkästchen
aktivieren.
Das Verschieben funktioniert genauso
Sie können durch Klicken mit der rechten Maustaste auf eine
Datei nicht nur die Funktion zum Kopieren, sondern auch die
Funktion zum Verschieben dieser Datei aufrufen. Wählen Sie
hierzu einfach die Option Verschieben
im Kontextmenü. Wenn Sie die Datei beim Verschieben oder
Kopieren umbenennen möchten, geben Sie den neuen Namen im
Dialogfeld Kopieren oder
Verschieben ein, das auf dem Bildschirm
angezeigt wird. Wenn Sie beispielsweise die Datei
.signature in das Verzeichnis
/home/neuerbenutzer/tigger kopieren und
dabei in backup.txt umbenennen möchten,
müssten Sie hierzu
/home/neuerbenutzer/tigger/backup.txt
eingeben.
Um die Eigenschaften einer Datei zu ändern, klicken Sie mit
der rechten Maustaste auf eine Datei oder ein Verzeichnis im
Verzeichnisfenster und wählen
Eigenschaften im Kontextmenü.
Daraufhin wird ein Dialogfeld wie in
Abbildung 10-3 geöffnet.
Abbildung 10-3 Dialogfeld Eigenschaften
Im Register Statistiken werden Informationen
über die Datei angezeigt, beispielsweise der Zeitpunkt, zu
dem die Datei erstellt oder geändert wurde.
Im Feld Dateiname können Sie den Namen
der Datei ändern.
Im Register Optionen können Sie
Aktionen für die Datei festlegen, z.B.
mit welchem Programm die Datei geöffnet, angezeigt und
bearbeitet werden soll. Normalerweise müssen Sie sich um diese
Fragen aber nicht kümmern, da Sie die
standardmäßigen Voreinstellungen verwenden können.
Abbildung 10-4 Das Register Zugriffsrechte
im Dialogfeld Eigenschaften
Im Register Zugriffsrechte (siehe
Abbildung 10-4) können Sie
die Berechtigungen und den Besitzer für eine Datei ändern
(allerdings nur dann, wenn Sie selbst über die entsprechenden
Zugriffsrechte verfügen). Sie können die Berechtigungen
für das Lesen, Schreiben und Ausführen ändern sowie
UID, GID und
Sticky bits ändern.
UID, GID und Sticky bits?
Im Wesentlichen haben diese Optionen etwas mit dem
Benutzermanagement und den Berechtigungen zu tun. UID steht
für User ID (Benutzerkennung), eine
eindeutige Nummer, die jedem Benutzer des Systems zugewiesen
wird. GID ist hingegen die Abkürzung für
Group ID (Gruppenkennung), die Kennung der
Standardgruppe des Benutzers. Sticky steht für
Sticky bit (hiermit müssen Sie sich
allerdings normalerweise nicht auskennen).
Weitere Informationen über das Arbeiten mit Berechtigungen
finden Sie in Abschnitt namens Besitz und Berechtigungen in Kapitel 15. Sobald
Sie sich mit dem Konzept von Dateiberechtigungen näher
auskennen, werden Sie das Register
Zugriffsrechte sicherlich häufig zum
Ändern der Berechtigungen für eine Datei oder ein
Verzeichnis verwenden.
Viele der Einstellungen von GMC
können im Dialogfeld Einstellungen
(Einstellungen =>
Einstellungen) vorgenommen werden. In
Abbildung 10-5 finden Sie ein
Beispiel für das Dialogfeld
Einstellungen.
Abbildung 10-5 Das Register Dateidarstellung
im Dialogfeld Einstellungen
Das Dialogfeld umfasst die folgenden Register:
Dateidarstellung - Hiermit können Sie
die Anzeigeoptionen für Dateien ändern. Im Einzelnen
stehen Ihnen folgende Kontrollkästchen zur Verfügung:
Sicherheitskopie anzeigen dient zum Anzeigen
von Sicherungsdateien, Verborgene Dateien
anzeigen dient zum Anzeigen von
Punktdateien, also Konfigurationsdateien
und -verzeichnissen, die normalerweise nicht auf dem Bildschirm
dargestellt werden, und das Kontrollkästchen
Dateien und Verzeichnisse gemischt
darstellen ermöglicht Ihnen die gemeinsame
Anzeige von Dateien und Verzeichnissen in der im
Verzeichnisfenster eingestellten Reihenfolge. Um die Funktion
Shellsuchwörter statt regulärer
Ausdrücke benutzen müssen Sie sich
vorläufig noch nicht kümmern, da diese
ausschließlich für das Arbeiten mit
regulären Ausdrücken und somit
eher für fortgeschrittene Benutzer von Bedeutung ist.
Bestätigung - Hier legen Sie fest, ob
beim Löschen, Überschreiben und Ausführen von
Dateien jeweils ein Bestätigungsfeld angezeigt werden soll.
Sie haben auch die Möglichkeit, eine Fortschrittsanzeige bei
der Ausführung von Aktionen einzublenden.
VFS - VFS steht für Virtual
File System. Mit einem virtuellen Dateisystem
können Sie mit Dateien arbeiten, die sich nicht auf Ihrem
lokalen Rechner befinden. Die Einstellungen in diesem Register
beziehen sich also auf FTP-Sites. VFS
Timeout bezieht sich auf die Zeit (in Sekunden),
für die die Verbindung erhalten bleibt, wenn keine Daten
übertragen werden. Danach wird die Verbindung unterbrochen.
Mit dem Eintrag in Anonymes FTP-Passwort
können Sie festlegen, wie Sie sich bei der
anonymen Anmeldung an FTP-Sites
identifizieren möchten. (Üblicherweise wird
hierfür Ihre E-Mail-Adresse verwendet.) Aktivieren Sie das
Kontrollkästchen Immer den FTP-Proxy
verwenden, wenn Sie für die Anmeldung an
FTP-Sites einen Proxy verwenden müssen.
Caching - Mit den Einstellungen in diesem
Register können Sie die Geschwindigkeit von
GMC erhöhen. Aktivieren Sie die
Option Schnelles Verzeichnis-Neulesen, um
die Informationen zu Verzeichnissen im Speicher abzulegen und
dadurch Zeit beim Anzeigen von Verzeichnissen zu sparen.
Allerdings besteht bei dieser Funktion die Gefahr, dass nicht
immer der aktuelle Verzeichnisinhalt auf dem Bildschirm angezeigt
wird. Vor dem Kopieren der Dateien Summen
berechnen weist GMC an, die
Anzahl der zu kopierenden Dateien zu berechnen, damit
Informationen über die auszuführende Aktion angezeigt
werden können.
FTP-Verzeichnis-Cache-Zeitvorgabe gibt den
Zeitraum (in Sekunden) an, für den Informationen über
eine FTP-Site im Speicher gehalten werden. Anpassung
von Icons in der Icondarstellung erlauben dient
hingegen zum Ändern des Symbolstils im Verzeichnisfenster.
Beachten Sie bitte, dass die Verwendung dieser Funktion negative
Auswirkungen auf die Leistung Ihres Systems haben kann.
Desktop - Hier können Sie eine Reihe
von Einstellungen für die Anzeige von Objekten auf Ihrem
Desktop vornehmen. Aktivieren Sie das Kontrollkästchen
Iconposition, wenn Sie festlegen
möchten, wie die Symbole auf Ihrem Desktop ausgerichtet
werden sollen. Aktivieren Sie Automatic icon
placement, wenn die Symbole auf Ihrem Desktop nicht
von Hand, sondern automatisch angeordnet werden sollen. Klicken
Sie auf Snap icons to grid, wenn Sie die
Symbole auf dem Desktop ausrichten wollen. Use shaped
icons und Use shaped text machen
die Symbole und zugeordnete Textbezeichnungen halbtransparent,
statt sie als "Blöcke" darzustellen.
Individuelle Ansicht - In diesem Register
können Sie festlegen, welche zusätzlichen Informationen
beim Klicken auf den Button Individuell in
der Symbolleiste von GMC angezeigt
werden sollen.